Frühjahrssynode 2023

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  • Beitrag veröffentlicht:15. Mai 2023

Die Gesamtsynode der Evangelisch-reformierten Kirche ist am 11. und 12. Mai 2023 zu ihrer Frühjahrstagung zusammengekommen. Tagungsort war das Kloster Frenswegen bei Nordhorn.

1. Synodentag – 11. Mai 2023

Am Donnerstagvormittag ist im Kloster Frenswegen bei Nordhorn die Gesamtsynode mit einem Abendmahlsgottesdienst eröffnet worden.

Anschließend eröffnete Präses Norbert Nordolt die synodalen Beratungen.

Schwerpunktthema der 61 Synodalen am Donnerstag ist der kirchliche Strukturprozess, den die Gesamtsynode bei ihrer letzten Tagung im November 2022 angestoßen hatte. Im Bericht des Moderamens führte Kirchenpräsidentin in die vier wesentlichen Themenfelder des Prozeses ein: Neugestaltung des Pfarrdienstes, Veränderung der Finanz-Zuweisungsordnung an die Gemeinden, Rolle der Synodalverbände sowie Förderung der Ehrenamtlichen erhalten. Am Nachmittag werde die Synode diesen Themen in Arbeitsgruppen erörtern.

Synode ändert Beschluss zu vegetarischer Verpflegung

Zu Beginn der Tagung haben die Synodenmitglieder den vor einem Jahr gefassten Beschluss revidiert, bei den Synodentagungen nur noch vegetarische Kost anzubieten. Diese Entscheidung hatte hart formulierte Proteste von Seiten der Landwirtschaft hervorgerufen. Es folgten verschiedene Gesprächsrunden zwischen Kirchenleitung und Landwirtschaft und der Antrag im Herbst 2022, den Beschluss wieder aufzuheben.

Nach der Beratung im Ausschuss für Nachhaltigkeit und Ökologie schlug dieser nun vor, die auch im Klimaschutzkonzept benannnten Aspekt der regionalen und saisonalen Produkte bei der Ernährung zu stärken. Einstimmig beschlossen die Synodalen nun, dass die Verpflegung zukünftig auf saisonale und regionale Produkte aus Bioerzeugung fußen solle. Auf Wunsch könne Fleisch dazu bestellt werden.

„Wir müssen flexibler werden“

Der angestoßene Strukturprozess sei eine Reaktion auf sinkende Mitgliedszahlen und absehbar abnehmende Einnahmen, sagte Kirchenpräsidentin Susanne Bei der Wieden im Bericht des Moderamens. Um den künftigen Herausforderungen begegnen zu können, müsse die Struktur der Kirche neu und flexibel überdacht werden, betonte sie in der Pressekonferenz im Pressegespräch am Rande der Gesamtsynode. Es dürfe nicht nur über Zahlen nachgedacht werden. Ziel seien eine engere Zusammenarbeit der Kirchengemeinden und kreative Lösungen.

Vizepräsident Helge Johr sagte, noch stehe die reformierte Kirche finanziell „relativ gut“ dar. Dies gebe die Gelegenheit, frühzeitig und überlegt auf die Entwicklungen zu reagieren. Die Kirchenpräsidentin ergänzte, es sei wichtig, Entscheidungen basisdemokratisch und transparent vorzubereiten. Darum sollten auf dieser Synode noch keine Beschlüsse gefasst werden. In Workshops erarbeiteten die 61 Delegierten Ideen und Maßnahmen. Diese sollen vom kirchenleitenden Gremium Moderamen bis zur Herbstsynode zu Beschlussempfehlungen verarbeitet werden.

Eine Arbeitsgruppe beschäftigte sich mit der Neuordnung des Pfarrdienstes. Dabei ging es beispielsweise um die Frage, wie Pfarrerinnen und Pfarrer entlastet oder in den Gemeinden multiprofessionelle Teams tätig werden können. Ändern sollen sich auch die Kriterien für die finanziellen Zuweisungen der Landeskirche an die Gemeinden, erläuterte Johr. Denkbar sei, dass Gebäude nicht mehr berücksichtigt werden, dafür aber die Zahl der Gemeindemitglieder umso stärker. Auch seien Prämien möglich, wenn Gemeinden freiwillig auf eine Pfarrstelle verzichten und dafür andere Fachkräfte einstellen, die die übrigen Pastorinnen und Pastoren bei bestimmten Aufgaben entlasten. Außerdem überlegten die Synodalen, wie das Ehrenamt gestärkt werden kann und welche Aufgabe die regionalen Synodalverbände künftig übernehmen könnten. (epd)

Schutz vor sexualisierte Gewalt als Alltagsaufgabe

Kirchenpräsidentin Susanne Bei der Wieden hat bei der Gesamtsynode dafür geworben, dass Kirchengemeinden und kirchliche Einrichtungen die Prävention von sexualisierter Gewalt als eine Alltagsaufgabe ansehen. „Sexualisierte Gewalt findet sich in nahezu allen Bereichen des öffentlichen Lebens, leider auch in der Kirche. Das ist umso schlimmer, als sexualisierte Gewalt dem, was wir glauben und dem, wofür wir stehen, förmlich ins Gesicht schlägt“, sagte Bei der Wieden während des Pressegesprächs am Donnerstag.

Die neue Mitarbeiterin der Landeskirche für diesen Themenbereich, Manuela Feldmann, stellte den Synodenmitgliedern einen Fahrplan vor, wie in den Gemeinden entsprechende Schutzkonzepte entstehen sollen. Vor einem Jahr hatte die Synode entschieden, dass um den Schutz vor sexualisierter Gewalt zu stärken, alle Gemeinden und Synodalverbände eigene Konzepte entwickeln müssen.

Feldmann, die früher unter anderem auch im Frauenhaus arbeitete, ist seit Anfang Januar im Landeskirchenamt tätig. Ihre Hauptaufgabe ist es, die Kirchengemeinden und kirchlichen Einrichtungen zu beraten. Vor der Synode sagte sie, es sei ihr ein Herzensanliegen, nicht nur Betroffene sexualisierter Gewalt zu begleiten sondern diese Gewalt aktiv zu verhindern. Der Kirche komme hier eine besondere Rolle zu. Feldmann studierte Psychologie und hat einen Abschluss in „Community Mental Health“.

Bereits im Juni biete sie für alle Gemeinden eine digitale Informationsveranstaltung an. Im Oktober sollten die Gemeinde vor Ort prüfen, welche Orte und Arbeitsfelder Risiken sexualisierter Gewalt bergen. Feldmann empfahl den Gemeinden, bei der Arbeit der Schutzkonzepte zur Prävention sexualisierter Gewalt auch auf Menschen zuzugehen, die bislang nicht im engeren Kreis der Gemeinde aktiv sind. Im November 2024 solle ein fertiges Rahmenschutzkonzept gegen sexualisierte Gewalt der Synode vorliegen.

Der Bericht des Moderamens zum Nachlesen

2. Synodentag – 12. Mai 2023

Digitales Projekt: Begegnung mit dem Judentum

Die Evangelisch-reformierte Kirche beteiligt sich an einer neuen Webseite, die Orte der Begegnung mit dem Judentum in Niedersachsen darstellt. Die Koordinatorin der digitalen Landkarte, Pastorin Aleida Siller, stellte einen Vorentwurf der Webseite vor der Gesamtsynode vor.

Das Projekt wird getragen von den evangelischen Kirchen und katholischen Bistümern in Niedersachsen sowie den zwei jüdischen Landesverbänden. Angestoßen hatte es vor einigen Jahren der ehemalige Kirchenpräsident Martin Heimbucher.

Auf der Webseite, die zum Ende des Jahres online gehen wird, sollen Orte dargestellt werden, an denen das heutige jüdische Leben in Niedersachsen erlebbar ist. Viele Menschen wüssten sehr wenig über das Judentum, so Siller. Klischees und Vorurteile könnten am besten durch Begegnung überwunden werden. Wichtige Orte in der digitalen Karte seien die 20 jüdischen Gemeinden in Niedersachsen. Siller nannte daneben auch den Verein „Judentum begreifen“ in Osnabrück, das Forum Juden und Christen im Kloster Frenswegen bei Nordhorn sowie die Ehemalige Jüdische Schule in Leer.

Reformierte Kirche hält an Klimaschutzzielen fest

Die Evangelisch-reformierte Kirche will weiter an ihren Klimaschutzzielen festhalten und bis 2035 90 Prozent der CO-2-Emissionen einsparen. Klimaneutralität solle bis 2045 erreicht werden. Der kirchliche Klimaschutzmanager Roland Morfeld warnte in seinem Bericht vor der Gesamtsynode am Freitag, sich angesichts der Energiekrise vom weit verbreiteten Pragmatismus anstecken zu lassen: „Fracking-Gas, LPG und eine Steigerung der Importmengen für fossile Energieträger aus anderen Staaten der Erde können nicht die Zukunft sein.“

Morfeld sagte, dass die Bewahrung der Schöpfung und das Streben nach Klimagerechtigkeit Leitlinien blieben. Er betonte: „Energieeinsparungen und der konsequente Einsatz regenerativer Energien sind in unserer Kirche deshalb wichtiger denn je.“ Das wachsende Interesse an Photo-Voltaik-Anlagen sowie die jüngst installierten Wärmpumpenheizungen zeugen von einem wachsenden Willen zur energetischen Neuausrichtung im Gebäudesektor.

Der Klimaschutzmanager mahnte Gebäudebedarfsplanungen und neue Nutzungskonzepte für bestehende kirchliche Gebäude an. Hier bestehe ein erheblicher Nachholbedarf, der die Handlungsfähigkeit in Sachen Klimaschutz erheblich einschränke.

Vizepräsident Helge Johr kündigte an, auch künftig fortlaufend die Synode über die erreichten Fortschritte zu unterrichten. Dafür solle ein datengestütztes Energiemanagementsystem in den Gemeinden etabliert werden. Alle Landeskirchen seien bundesweit aufgerufen, solch ein digitales System einzuführen, damit der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) bis 2025 erstmals ein kompletter Klimabericht vorgelegt werden kann.


Nächste Gesamtsynode

Die nächste Gesamtsynode tagt vom 23. bis 24. November 2023 in Emden

Quelle: Evangelisch-reformierte Kirche
Fotos: Ulf Preuß